Faktenblatt: Freihandel in der Diskussion | Handwerk

Zwischen September und Dezember 2015 hat „Handwerk International Baden-Württemberg“1 unter den Mitgliedern der Handwerkskammer Baden-Württemberg eine Umfrage zu TTIP durchgeführt. Das Ergebnis: 79 % der befragten Unternehmer sind TTIP gegenüber negativ eingestellt, nur 7 % positiv. Ein deutliches Bild.

Es gibt in Deutschland rund 887.000 Handwerksbetriebe mit knapp fünf Millionen Beschäftigten und fast 500.000 Auszubildenden. Zum Vergleich: In der Automobilindustrie waren 2015 keine 800.000 Menschen beschäftigt. Das Handwerk umfasst sehr heterogene Gewerbe: Es gibt 41 zulassungspflichtige und 53 zulassungsfreie Handwerksberufe, dazu kommen 57 handwerksähnliche Gewerbe. Zweiradmechaniker gehören ebenso zum Handwerk wie Chirurgiemechaniker, Elektromaschinenbauer, Friseure und Seiler.

Eines jedoch ist den meisten Handwerksbetrieben gemeinsam: Sie sind in der Regel stark in regionale Wertschöpfungsketten eingebunden. Export, zumal außerhalb Europas, spielt eine untergeordnete Rolle. Trotzdem wäre auch das Handwerk von den gravierenden Eingriffen, die ein völkerrechtliches Abkommen wie TTIP bedeutet, betroffen. So sahen bei der Befragung von Handwerk International Baden-Württemberg 82 % der Unternehmen das Risiko der Bevorzugung von Großunternehmen.

Tatsächlich: TTIP wird europäische Handwerksbetriebe einem verstärkten und unfairen Wettbewerb mit internationalen Konzernen aussetzen. TTIP kann durch die Hintertür auch einen erneuten Angriff auf den Meisterbrief bedeuten, mit den bekannten Folgen für die Qualitätsstandards in den jeweiligen Berufen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) weist darauf hin, dass TTIP zum Risiko für den Arbeitsschutz wird, sollten nach Abschluss der Verhandlungen zwei unterschiedliche Sicherheitsphilosophien aufeinandertreffen.

Die stärksten Argumente der Befürworter von TTIP greifen für das Handwerk entweder nicht oder könnten sich sogar als Nachteil für europäische Unternehmen herausstellen: Zölle spielen schon heute kaum eine Rolle. Die Öffnung des öffentlichen Beschaffungswesens spielt vor allem international tätigen Unternehmen in die Hände. Die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen und Produktzertifizierungen könnte zu einem einseitigen Handelsvorteil für US-Amerikanische Unternehmen führen.

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